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Privatbank seit 1832 – Werte verbinden
Die Geschichte des Bankhauses
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Wie alles begann!
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Im Jahre 1832, wurde von C. M. Perisutti, einem Kaufmann, in der Kaiserstadt Wien im Haus Kärntner Straße 20, ein privates Bankhaus etabliert.
Den Standort der Bank hatte der Gründer gut gewählt, denn das Haus in der Kärntner Straße war damals Mittelpunkt der Wiener Innenstadt und darüber hinaus Ausgangspunkt der Verkehrslinien in die Vororte.
Über die Tätigkeit, die Herr C.M. Perisutti und in der Folge Herr Richard Ott, der Hauptkassier der Bank, der später die Firma übernahm, entfaltete, können wir heute, mangels Unterlagen und Dokumente, nur wenig aussagen. Mit Recht ist anzunehmen, dass die Gründer der Bank überaus tüchtige und fähige Menschen waren. Denn es gab nicht viele Banken in Wien, die den Börsenkrach von 1873 zu überleben vermochten.
Das große Bevölkerungswachstum in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, verbunden mit dem Ausbau des Gewerbes, dem Einsetzen der Industrialisierung und der Intensivierung der Geldwirtschaft, ermöglichte der Bank in der Kärntner Straße eine rege Geschäftstätigkeit. Die Bank kaufte und verkaufte Münzen und Noten der verschiedensten Währungen, handelte mit Wertpapieren aus den Ländern der Monarchie, nahm Einlagen gegen Zinsen entgegen und vergab Kredite. Eine wichtige Geschäftssparte der Bank bildete schon in den ersten Jahrzehnten des Bestehens das Wertpapiergeschäft.
Zur Finanzierung der großen Vorhaben im Eisenbahnwesen und in der Industrie wurden Anleihen ausgegeben. Die Rückzahlungsmodalitäten dieser "fünfpercentigen Banco-Obligationen" wurden durch ein "Circulare der k. k. Landesregierung in dem Erzherzogthume Österreich unter der Enns" auf Grund eines Dekretes der k. k. allgemeinen Hofkammer öffentlich zur Kenntnis gebracht. Die Verwaltung der Wertpapiere, das Inkasso der fälligen Zinsen, die Erneuerung der Talons oder Anweisungen auf neue Zinsen-Coupons waren Dienste, die die Bank schon in den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens ihren Kunden erwies.
Die Revolution des Jahres 1848, die dem Vormärz und dem politischen System Metternich ein Ende setzte, war die erste große Krise, welche die Bank in der an politischen und wirtschaftlichen Erschütterungen reichen Zeit ihres Bestehens erlebte.
Liberales Denken setzte sich in Wirtschaft und Gesellschaft zunehmend durch.
Die patriarchalischen Verhältnisse, die im Vormärz und Biedermeier zwischen Fabriksherren und Arbeitern, zwischen Handwerksmeistern und Gesellen, geherrscht hatten, wurden nach dem Revolutionsjahr 1848 zunehmend gelockert.
Im Jahre 1857 ordnete Kaiser Franz Joseph I. die Schleifung der Basteien an, was das Bankhaus veranlasste, 1858 seinen Standort auf den Stephansplatz 11 und damit wieder in den Mittelpunkt der Stadt zu verlegen. Der Stephansdom, der später Bestandteil unseres Firmenzeichens wurde, bildete einen räumlichen und ideellen Bezugspunkt, der die Entwicklung des Institutes mitbestimmte.
Der Wohlstand nahm in diesen Jahren des großbürgerlichen Zeitalters ständig zu. In der Wiener Innenstadt hatten Adel, Hausherren, Kaufleute und Fabrikanten ihre Wohnsitze. Ein Großteil des Kapitals war in Wien konzentriert.
Das Finanz- und Bankwesen fand in allen Kreisen der Gesellschaft lebhaftes Interesse. In den Jahren von 1868 bis 1873 wurden in Wien beinahe 200 neue Banken gegründet. Das Fieber der Spekulation ergriff immer mehr Menschen. Jeder wollte von der Konjunktur profitieren.
Das Veranstalten von Weltausstellungen, die die Leistungen der Technik dokumentieren sollten, war typisch für dieses Zeitalter. Im Jahre 1873 wurde in Wien in Anknüpfung an den gigantischen Besucherzustrom, den die Pariser und Londoner Weltausstellung gebracht hatten, die fünfte Riesenschau der Welt eröffnet. Bei dieser Weltausstellung, für die die Rotunde und das Riesenrad gebaut wurden, war die Bank aus der Wiener Innenstadt mit einer Wechselstube vertreten.
Der 8. Mai 1873 setzte der Spekulation und auch der Periode der Hochkonjunktur ein plötzliches Ende. Als eine große Anzahl von Aktienbesitzern ihre Aktien, getragen von dem Misstrauen, das ihnen der immer größer werdende Umlauf an Banknoten, eine Folge des großen Finanzbedarfes des Staates und der Missernten, einflößte, an der Börse verkaufen wollte, stürzten die Kurse ins Bodenlose. Dem Kurssturz der Papiere folgte der Zusammenbruch einer großen Anzahl von Aktiengesellschaften; Banken, Versicherungen, Unternehmen fielen wie Kartenhäuser in sich zusammen. Von den in Wien ansässigen Banken überlebte nicht einmal ein Viertel den großen Börsenkrach und die ihm folgende Wirtschaftskrise, die mit Unterbrechungen bis zum Ende der Siebzigerjahre und noch darüber hinaus anhielt.
Die Bank am Stephansplatz war vom großen Börsenkrach weitgehend verschont geblieben. Die Geschäftsleitung der Bank hatte sich vom allgemeinen Spekulationsfieber nicht anstecken lassen. Die nicht vermeidbaren negativen Folgen der großen Krise konnten in Grenzen gehalten werden.
Der Verzicht auf spekulative Geschäfte, der bis heute die Geschäftspolitik der Bank bestimmt hat, ist - wie auch die weitere Geschichte der Bank zeigt - nicht die Lehre aus eigenen, bitteren Erfahrungen, sondern resultiert aus der Grundauffassung jener Persönlichkeiten, die im Laufe der Zeiten an der Spitze der Bank ihre Entwicklung bestimmt haben.
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Die Ära des Carl Schelhammer
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1876, in einer Zeit, in der die Wirtschaft sich langsam vom Schock des großen Börsenkrachs zu erholen begann, übergab Richard Ott die Firma an Carl Schelhammer, der gemeinsam mit seinem Kompagnon Eduard Schattera die Leitung und auch das Eigentumsrecht an der Firma übernahm. Die Firma wurde als Offene Handelsgesellschaft dieser beiden Herren am 14. November 1876 mit dem Firmenwortlaut "Schelhammer & Co." beim Handelsgericht Wien protokolliert; am 27. Juli 1877 wurde der Firmenwortlaut auf "Schelhammer & Schattera" geändert und bis zum heutigen Tage weitergeführt. Der Tradition des Hauses entsprechend, war der neue Miteigentümer und Geschäftsführer Carl Schelhammer ein langjähriger Beamter der Bank.
In der Zeit vor und auch nach dem großen Bank- und Börsenkrach nahm die Bank am Stephansplatz eine, gemessen an der tristen Wirtschaftslage, zufriedenstellende Entwicklung.
Trotz allem war die österreichisch-ungarische Monarchie ein leistungsfähiger Wirtschaftskörper, der insbesondere aufgrund der neu geschaffenen Eisenbahnverbindungen ein rationelles Wirtschaften im Großraum Mitteleuropa ermöglichte.
So wurden mit der Zeit die Banken zu Treuhändern großer Kapitalien und Vermittlern bedeutender Finanzierungen. Zwischen 1880 und der Jahrhundertwende vervierfachte sich die Bilanzsumme der österreichischen Banken.
Durch diese rege Wirtschaftstätigkeit entwickelte sich auch Schelhammer & Schattera von einer kleinen Wechselstube zu einer Universalbank, welche die mannigfaltigsten Sparten des Geldgeschäftes pflegte. Der Handel mit Münzen, Noten und Wertpapieren der Länder der ungarischen Krone, die Abwicklung des Zahlungsverkehrs und von Finanztransaktionen in diesem großen Wirtschaftsraum erforderten, dass die Bank ein weitverzweigtes Korrespondentennetz aufbaute und die Beamten sich ein umfangreiches Wissen aneigneten.
Das Los- und Wertpapiergeschäft bildete einen dominierenden Geschäftszweig. Alle Arten von Losen und Renten, Obligationen und Pfandbriefen, Münzen und Noten wurden von der Bank zu "coulantesten" Bedingungen angekauft und auch verkauft.
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Zeitenwende
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Am 15. April 1902 traten die Herren Wilhelm Simon und Johann Thomas Wancura als Offene Gesellschafter in die Firma ein. Carl Schelhammer verblieb bis zu seinem Ableben im Jahre 1905 Gesellschafter der Bank. 1909 trat Wilhelm Simon aus der Gesellschaft wieder aus.
Im Jahr 1910 erhielt Schelhammer & Schattera einen Schrankenplatz an der Wiener Börse. Die komplette Übernahme der Bank durch Herrn Wancura, dessen Wirken und Persönlichkeit entscheidend für die Entwicklung des Hauses wurden, leitete eine Epoche des Aufschwunges ein.
Das Ansehen der Bank in der Öffentlichkeit, in Gesellschaft und Wirtschaft wurde gefestigt. Der Name Schelhammer & Schattera wurde weit über die Grenzen der Stadt Wien hinaus zu einem Begriff.
Schelhammer & Schattera hatte die Generalrepräsentanz der Niederösterreichischen Landes-Versicherungsanstalt übernommen. Schon um die Jahrhundertwende bot die Bank kombinierte Spar- und Versicherungspläne mit Zusicherung einer monatlichen Rente an.
Eine interessante Geschäftssparte der Bank bildete die Verwaltung von Stiftungskapitalien, Waisen-, Fideikommiss- und Depositengeldern. Durch das Fernhalten von spekulativen Geschäften und ihren guten Ruf wurde der Bank die Betreuung von Kapitalien, die besonders sicher veranlagt werden mussten, anvertraut.
Unter der Ära von Herrn Wancura wurden die Pflichten der Beamten und Diener der Firma in einem Reglement genau festgehalten.
An vielen Leitlinien für das Verhalten der Mitarbeiter, wie an der Verpflichtung zur Treue, Redlichkeit und Verschwiegenheit, hat sich bis heute - auch wenn man es anders ausdrücken würde - nichts geändert.
Im Reglement aus dem Jahre 1908 ist der bereits mehrfach zitierte und bis heute geltende Grundsatz der Bank, sich von spekulativen Geschäften fernzuhalten, festgehalten. Die Beamten und Diener mussten sich jeder Art von Pfandleihgeschäften und jeder Börsenspekulation für eigene und für fremde Rechnung enthalten. Börsenspekulation, Bruch des Amtsgeheimnisses, Verletzung oder Verweigerung des Dienstes waren Entlassungsgründe.
Im Umgang mit Kunden oder - so das Reglement 1908 - "im dienstlichen Verkehre mit Parteien sind Freundlichkeit und Hilfsbeflissenheit mit Anstand und Ernst zu verbinden, keine Partei ohne Not aufzuhalten oder zu bevorzugen". Von Achtung und Anstand musste auch der Kontakt der Beamten und Diener untereinander bestimmt sein. Jeder Beamte der Bank war verpflichtet, so lange seinen Dienst zu versehen, als es die Geschäfte erfordern.
Schelhammer & Schattera war als einziges Geldinstitut bei der großen Jagdausstellung, die 1910 in Wien stattfand, mit einer Wechselstube vertreten. Die Jagdaustellung war Treffpunkt der Prominenz aus allen Teilen der österreichisch-ungarischen Monarchie.
1912 beging die Bank das 80jährige Jubiläum ihres Bestandes.
Am 28. Juni 1914 kam es dann zu jenem Ereignis, das die Welt verändern sollte. Das österreichische Thronfolgerpaar, Erzherzog Franz Ferdinand und seine Gemahlin, wurde in Sarajevo ermordet. Ein österreichisches Ultimatum wurde von Serbien zurückgewiesen. Der Erste Weltkrieg begann.
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Im Ersten Weltkrieg
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Den gewaltigen Finanzbedarf der Kriegsführung trachtete Österreich-Ungarn hauptsächlich durch Anleihen zu finanzieren. Im Ersten Weltkrieg wurden insgesamt 25 Kriegsanleihen über 51 Milliarden Kronen aufgelegt. Grundgedanke war, den Geldüberhang - Konsumgüter gab es nicht zu kaufen - abzuschöpfen und die Staatskasse zu füllen.
1913, also noch vor Beginn des Ersten Weltkrieges, war in Österreich die Klassenlotterie eingeführt worden. Schelhammer & Schattera wurde die größte Geschäftsstelle der österreichischen Klassenlotterie. Das einzige offizielle Verlosungsblatt, „Der Anker“, wurde von Schelhammer & Schattera herausgegeben.
Bis 1914 hatten sich die Geschäfte der Bank so ausgeweitet, dass es notwendig wurde, die Buchhaltung von den Kassenräumen zu trennen. Die Buchhaltung wurde im Mezzanin des Hauses in der Goldschmiedgasse 10, das den Namen "Zum Eisgrübel" trug, untergebracht. Der Kontakt zwischen der Bankzentrale am Stephansplatz und der Dependance "Buchhaltung" wurde durch Kassaboten aufrechterhalten. Belege, Briefe, Kassa- und Wertpapierabrechnungen mußten laufend zwischen Wechselstube und Buchhaltung übermittelt werden. Später wurde eine direkte Telefonverbindung hergestellt. Obwohl die für unsere heutigen Vorstellungen schwer zu bedienenden Kurbelapparate verwendet wurden, bedeutete diese "Verbindung" eine große Arbeitserleichterung.
Durch die unsicheren Zeiten war die Nachfrage nach feuer- und einbruchssicheren Safes groß. Im Parterre des Hauses in der Goldschmiedgasse 10 hatte die Bank eine neue Safe-Depotanlage mit außerordentlichen Sicherungen gegen Feuer und Einbruch errichtet.
Das Verwahrungsgeschäft gehört zu den ältesten Dienstleistungen der Bank. Jedes Schrankfach konnte schon zur Zeit nach der Jahrhundertwende nur von der Partei und der Bank gemeinsam geöffnet werden.
Die Schrankfächer durften nur zur Aufbewahrung von Dokumenten, Wertpapieren, Edelmetallen, Edelsteinen und Schmuckstücken benützt werden. Die Bestimmungen hinsichtlich der Legitimation zur Benützung waren und sind noch heute überaus streng.
Am 21. November 1916 starb Kaiser Franz Joseph.
Am 11. November 1918 verzichtet Kaiser Karl I. auf jeden Anteil an den Staatsgeschäften. Das Habsburgerreich zerfiel.
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Die Zwischenkriegszeit
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Die Situation der Wirtschaft und auch des täglichen Lebens stand in den Jahren 1919 bis 1924 im Zeichen der Inflation aller Werte. Die Fieberkurve der Preise bedeutete einen Schock für das in traditionellen Werten denkende Bürgertum. Das Vertrauen in die eigene Tüchtigkeit ging verloren. Allmählich kam die Erkenntnis, dass der Wert des Geldes nicht in aufgedruckten Zahlen besteht, sondern in dem liegt, was es verkörpert.
Für Schelhammer & Schattera waren die Jahre der großen Inflation - wie für alle Banken - keine guten.
Das Sparen hatte für alle Kreise der Bevölkerung an Wert verloren. Jeder trachtete, sein Geld, sofern er welches besaß, in Sachwerten zu investieren.
Das Geschäft mit Aktien florierte. Kapitalerhöhungen wurden laufend vorgenommen. Das Börsengeschäft lief auf vollen Touren. Schelhammer & Schattera befaßte sich mit dem Kostgeschäft. Die Bank übernahm von anderen Banken Wertpapiere in „Kost" und verlieh dafür kurzfristig Geld.
Ein wichtiger Geschäftszweig der Bank am Stephansplatz blieb der Handel mit Noten und Münzen der nach dem Zerfall der Monarchie entstandenen Staaten, der durch gute persönliche Kontakte zu den Banken der Nachfolgestaaten, vor allem Ungarn, die Tschechoslowakei und Polen, begünstigt wurde.
1920 wurde nach einer langen Pause - nach dem Lossperrgesetz von 1889 durften Lose nur zu Staatszwecken emittiert werden, und der Handel mit ausländischen Losen war auf bereits vorhandene Staatslose beschränkt - eine staatliche Losanleihe emittiert. Die laufende Entwertung der Krone hatte den Losen der Vorkriegszeit ihre Attraktivität genommen. Mit den Treffern konnte man höchstens noch ein Butterbrot kaufen. Trotzdem ließ das Interesse des Publikums an der Klassenlotterie nicht nach.
1922 kam die Inflation zum Stillstand. Am 20. Dezember 1924 wurde die Schillingwährung eingeführt. Die Umrechnung von Krone auf Schilling erfolgte in der Relation 10.000 : 1.
Die Einführung des Schilling leitete einen harten Sanierungsprozess ein, der von einem Bankensterben begleitet war. Von den 66 Aktienbanken, die Anfang des Jahres 1924 in Österreich bestanden, überlebten nur 36 das Jahresende.
Die vom Völkerbund garantierte Goldanleihe im Wert von 650 Millionen Goldkronen wurde für Österreich zur Schicksalsfrage. Für Geldbeträge, die in dieser internationalen Sanierungsanleihe angelegt wurden, verkündete der Staat sogar eine Steueramnestie.
Eine nachhaltige Stabilisierung der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse wurde nicht erreicht. Der unversöhnliche Gegensatz der Parteien und Interessengruppen bewirkte ständige Unruhe. Die Arbeitslosigkeit wurde zum großen Problem.
Nicht nur in Österreich, sondern weltweit war die Wirtschaft in eine Sackgasse geraten. Am 24. Oktober 1929 stürzten an der New Yorker Börse die Aktienkurse ins Bodenlose.
Die große Krise hatte sich in Wien schon zwei Wochen vorher angekündigt. Die Bodenkreditanstalt, Österreichs bekannteste Bank, schloss ihre Schalter und wurde mit der Creditanstalt fusioniert. In der Folge musste der Staat einspringen, um Großbankinsolvenzen zu vermeiden.
Für die Bank am Stephansplatz galt es, erneut schwierige Zeiten zu bestehen. Die Schalter von Schelhammer & Schattera blieben wie in allen Krisensituationen geöffnet. Kein Mitarbeiter wurde gekündigt.
1932 beging Schelhammer & Schattera das 100jährige Jubiläum seines Bestehens. Trotz der großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatte die Bank in den letzten Jahren ihre Geschäftstätigkeit und ihren Kundenkreis vergrößert.
Die Faszination, die mit dem Kauf von Losen und der Hoffnung auf den großen Gewinn verbunden war, hielt - unabhängig von dem Wechsel der Zeiten - die Menschen in ihrem Bann. Auch 1933, als der Schatten der großen Weltwirtschaftskrise noch über Österreich lag, war das Interesse des Publikums an der Klassenlotterie weiterhin ungebrochen.
Kommerzialrat Wancura beging am 12. Juli 1934 sein 50jähriges Berufsjubiläum. Den großen Aufschwung, den Schelhammer & Schattera in den 50 Jahren des Wirkens von Johann Th. Wancura genommen hatte, war zu einem großen Teil sein Verdienst. Das Bankhaus am Stephansplatz wurde durch seine Persönlichkeit entscheidend geprägt.
Kommerzialrat Wancura war Abgeordneter zum Nationalrat; er bekleidete die Funktion des Präsidenten des Lotteriestellenverbandes und des Vizepräsidenten des Bankenverbandes; 1935 wurde er Präsident der Wiener Börsekammer.
Am 10. Februar 1933 wird im Handelsregister Wien als neuer Firmenname „Bank- und Wechselhaus Schelhammer & Schattera" eingetragen.
1934 erhielt Schelhammer & Schattera die Konzession, Wechselstuben in den neuen Spielcasinos zu betreiben. Kommerzialrat Wancura vertrat die Interessen seines Hauses im Verwaltungsrat der Österreichischen Casino AG.
Das Bankhaus errichtete Wechselstuben, die als Zweigniederlassungen im Handelsregister protokolliert wurden, am Semmering, in Baden, Salzburg, Kitzbühel und Badgastein.
Am 11. März 1938 hatte Österreich als selbständiger Staat zu existieren aufgehört. Seine Wirtschaft wurde in das Deutsche Reich einbezogen. Die deutsche Staatsführung bestimmte das politische und wirtschaftliche Geschehen.
Für das Bankhaus am Stephansplatz brachte der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wie für alle Banken viel Arbeit mit sich. Kurse, Zinssätze, die gesamte Verrechnung, musste von Schilling auf Reichsmark umgestellt werden. Die Umwechslung des Schillings in die Reichsmark erfolgte in der überaus ungünstigen Relation 1,5 : 1. Alle Sparten des Bankgeschäftes mussten nach den neuen Richtlinien des Reichswirtschaftsministeriums abgewickelt werden.
Am 23. Juni 1939 hatte das Bankhaus einen schweren Schlag hinzunehmen. Präsident Kommerzialrat Johann Th. Wancura starb.
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Zerstörung und Wiederaufbau
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Die Tradition des Hauses wahrend, übernahm der engste Mitarbeiter Wancura's, Oskar Kühn, die Geschäftsführung. Schelhammer & Schattera wurde wieder Offene Handelsgesellschaft.
Die kommenden Jahre des Zweiten Weltkrieges, der Zusammenbruch und der mühevolle Aufbau bürdeten Oskar Kühn, der in diesen Jahren die Geschäfte des Bankhauses führte, große Lasten auf.
Die Geschäftstätigkeit von Schelhammer & Schattera begann sich unter dem Einfluss der deutschen Staatsführung zu wandeln. Zum Krieg führen wurde wieder Kapital benötigt. Eine gewaltige Propagandawelle für das „Eiserne Sparen“ wurde gestartet. Das Fehlen von Dingen, die man hätte kaufen können, erleichterte den Menschen „die Entscheidung", wie sie ihr Einkommen am besten verwenden sollten.
Als am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Angriff auf Polen begann, ahnte niemand, wie er enden würde. Vier Jahre später musste die deutsche Kriegsführung mit Luftangriffen auf Wien rechnen. Im Juli 1943 erhielt auch Schelhammer & Schattera von der "Reichsgruppe Banken" Richtlinien für das Verhalten zum Selbstschutz der Kreditinstitute gegen Luftkriegsschäden.
Am 10. September und 5. November 1944 erfolgten die ersten Luftangriffe auf die Wiener Innenstadt.
Am 11. April 1945 verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Nachricht in der ganzen Stadt: „Der Steffl brennt."
Die Alte Feldapotheke begann als erstes zu brennen. Im Sturmwind sprangen die Flammen von Haus zu Haus. Dann brannte der Stephansdom lichterloh.Die Stadt hatte ihr Wahrzeichen verloren und das Bankhaus war gemeinsam mit dem Symbol seines Firmenzeichens niedergebrannt. Zum erstenmal in seiner Geschichte stand Schelhammer & Schattera vor dem Nichts.
Nur die unter meterhohem Schutt liegenden Tresorräume blieben unversehrt und so zählten die Kunden des Bankhauses zu den wenigen, deren Safes nicht von Besatzungssoldaten zwangsweise geöffnet wurden und die ihr Eigentum nach einigen Jahren beim Wiederaufbau unversehrt in Empfang nehmen konnten.
Ohne Geld, Wertpapiere und Geschäftsbücher begannen Kommerzialrat Oskar Kühn und einige wenige Mitarbeiter das Bankhaus aus dem Nichts wiederaufzubauen.
In den ersten Monaten nach dem großen Brand am Stephansplatz wurde die Geschäftstätigkeit des Bankhauses, sofern man von einer solchen sprechen konnte, in verschiedenen Häusern in der Umgebung des Stephansplatzes ausgeübt.
Zu den ersten Aktivitäten des Bankhauses Schelhammer & Schattera nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehörten die Bestrebungen, Geldmittel für den Wiederaufbau des Stephansdomes zu mobilisieren. Die ersten Wiederaufbaulose wurden schon 1945 ausgegeben. Ein Los kostete 20 Reichsmark. Trotz der großen Not zeichnete ganz Wien die Lose für den Wiederaufbau des Stephansdomes.
Schelhammer & Schattera hat 1954 neue Bankräume im Haus Goldschmiedgasse 3 im Geschäfts- und Wohnungseigentum erworben. Diese Adresse hat das Bankhaus bis zum heutigen Tag beibehalten. Das frühere Haus am Stephansplatz konnte auf Grund eines jahrelangen Bauverbotes und verschiedener widriger Umstände nicht mehr bezogen werden. Am 15. Mai 1955 wurde im Wiener Belvedere der Österreichische Staatsvertrag unterzeichnet. Österreich war wieder ein freier, souveräner Staat.
Der Lebensstandard weiter Kreise der österreichischen Bevölkerung war nach 1955 bescheiden. Viele Wohnungen in Wien hatten keine sanitären Anlagen. Die Anschaffung einer eigenen Wohnung bereitete vor allem jungen Menschen große Schwierigkeiten.
Zum Ende der fünfziger Jahre entwickelte das Bankhaus in Zusammenarbeit mit der Katholischen Jugend das „Jugendwohnsparen", das die Anschaffung der ersten Wohnung, die Hausstandsgründung erleichtern sollte.
Das Bankhaus Schelhammer & Schattera konnte durch sein Engagement für die kleinen Sparer und die Förderung der Kleinsparformen zur Verbreitung des Spargedankens beitragen.
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Die Ära KR.DI. Josef Melchart
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1959 begann für das Bankhaus eine neue Ära.
Dipl.-Ing. Josef Melchart, der als Steuer- und Betriebsberater freiberuflich tätig war, wurde mit einem 15% Anteil voll haftender Gesellschafter und Geschäftsführer des Bankhauses. Kommanditisten wurden die Unitas-Solidaris Treuhandgesellschaft m.b.H., Dkfm. Dr. Ernst Piermayr und die Aktiengesellschaft zur Förderung von wirtschaftlichen Unternehmungen und von Bauvorhaben, die die Kirchlichen Aufbauanleihen begeben hat.
In den folgenden Jahren hat Dipl.-Ing. Josef Melchart als geschäftsführender Komplementär in enger Zusammenarbeit mit den Gesellschaftern, den Führungskräften und dem Betriebsrat des Unternehmens die Geschäftspolitik und -philosophie von Schelhammer & Schattera wesentlich bestimmt.
Die Bank wurde den Erfordernissen der Zeit angepasst und neu organisiert. Durch Teamarbeit und das Bestreben im Führungskader, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, wurde die patriarchalische Ordnung abgelöst.
Das kurz- und mittelfristige Wertpapiergeschäft war und ist eine wichtige Domäne der Privatbank. Seit 1960 gibt Schelhammer & Schattera auf Grund einer Erweiterung der Konzession durch das Finanzministerium Kassenscheine aus. Diese Geldmarktpapiere sind bei den Kunden des Bankhauses für die kurzfristige Veranlagung von Geldern gefragt.
1964 wurde der Umbau des Kassenraumes vorgenommen. Neue Panzerkassen, Stahlschränke, Tresortische für die Haupt- und Valutenkassen, die Neugestaltung der Arbeitsplätze für die Kassenangestellten ermöglichten einen besseren Kundendienst.
1967 wurde die seit 1921 direkt bei der Kennedy-Brücke bestehende Filiale Hietzing von Grund auf neu gestaltet und eingerichtet.
1979 erhielt Schelhammer & Schattera die Konzession zur Ausgabe von Kassenobligationen und damit das Recht, eigene Wertpapiere mit mittleren Laufzeiten auszugeben.
Nach jahrelangen Überlegungen über die Zweckmäßigkeit eigener Investmentfonds, wurde 1988 die Bankhaus Schelhammer & Schattera Kapitalanlage GmbH gegründet. Maßgeblich hiefür war nicht nur das steuerliche Umfeld, sondern auch der Wunsch der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs nach geeigneten Investmentfonds zur Sicherung der Altersvorsorge von Ordensangehörigen.
1990 wurde den sich ständig ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen Rechnung getragen und die Rechtsform des Bankhauses von einer Personengesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Eigentumsverhältnisse blieben prinzipiell unverändert. Der erste Vorstand bestand aus den Herren KR. D.I. Josef Melchart und Dkfm. Josef Löw.
Mitte 1993 wurden die Herren Dir. Dr. Heinz Burgmann und KR. Helmut Jonas in den Vorstand berufen.
Die Umwandlung der Rechtsform machte nun auch die Fusion mit der - aufgrund der Eigentümerstrukturen und der defacto Identität der Geschäftsführungen mit dem Bankhaus sehr eng verbundenen - Aktiengesellschaft zur Förderung von wirtschaftlichen Unternehmungen und von Bauvorhaben (Förderungs-AG) rechtlich möglich.
Wirtschaftlich sinnvoll wurde die Fusion durch das im Rahmen der Finanzmarktanpassungsgesetze 1993 in Kraft getretene neue Bankwesengesetz, welches der Förderungs-AG weitgehend die Geschäftsgrundlage entzog. Die neuen Eigenkapital- und Solvabilitätsvorschriften, die Großkreditgrenze mit den Vorschriften über wirtschaftliche Einheiten u.dgl. mehr verursachten einen Kostenschub, der durch das schwindende Geschäftsvolumen aufgrund der planmäßigen Tilgung der Kirchlichen Aufbauanleihe ab 1995 kein gewinnbringendes Führen der Förderungs-AG mehr erwarten ließ. Um eine Aufzehrung des vorhandenen Vermögens zu verhindern, wurde die Fusion der Förderungs-AG mit dem Bankhaus per 1. Jänner 1995 beschlossen und durchgeführt.
Nach Abschluss dieser umwälzenden Veränderungen wollte sich KR.D.I. Josef Melchart aus dem Vorstand in den Aufsichtsrat zurückziehen. Aufgrund tragischer Umstände kam es nicht mehr dazu: Am 1.5.1996 verunglückte er auf einer Urlaubsreise in Australien bei einem Autounfall tödlich.
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Werte verbinden
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Noch vor seinem Tod hat KR. D.I. Josef Melchart in der Aufsichtsratssitzung im März 1996 die Weichen für die Zukunft gestellt. Seinen Wünschen posthum entsprechend, wurden im Juni 1996 im Rahmen der Hauptversammlung die Herren Dir. Gerold Milabersky und Dir. Fritz Rosenbusch in den nunmehr fünfköpfigen Vorstand aufgenommen.
Dringend notwendige Vorhaben, wie zum Beispiel die Einführung einer neuen EDV-Anlage (Jahr 2000-Fähigkeit, Euro etc.), forderten sofort den ganzen Einsatz der neuen Geschäftsleitung.
Das Jahr 1997 war geprägt von einer baulichen Renovierung der Zentrale in der Goldschmiedgasse. Es kam ein zweiter Kassasaal für den Valutenhandel dazu, die Fassade und der alte Schalterraum wurden neu gestaltet.
Mit 1.8.2000 ist Dkfm. Josef Löw in den verdienten Ruhestand getreten.
Vorstandsvorsitzender KR Dr. Heinz Burgmann und Vorstandsdirektor Gerold Milabersky folgten mit 31.12.2004 in die ebenfalls wohlverdiente Pension und Vorstandsdirektor Fritz Rosenbusch trat nach 49 Jahren verdienstvollster Tätigkeit für das Bankhaus per 30.06.2005 in den Ruhestand.
Zum neuen Vorsitzenden des Vorstandes wurde Hr. KR Helmut Jonas vom Aufsichtsrat bestellt und der langjährige Prokurist der Wertpapierabteilung Hr. Günter Bergauer in Nachfolge von Dir. Milabersky in den Vostand berufen.
Am 1. März 2005 trat Mag. Peter Böhler als neuer Vorstandsdirektor für den Bereich Kredit in das Bankhaus ein.
Fortsetzung folgt ...
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