|
Die Wurzeln prinzipiengeleiteter Investitionen lassen sich bis ins viktorianische Zeitalter zurückverfolgen. In Nordamerika und Großbritannien waren es vor allem die sittenstrengen Quäker, die schon vor der industriellen Revolution ihre Anlagephilosophie auf die Vermeidung von Investments in den Bereichen Sklaverei und Waffen ausrichteten.
In den 20er Jahren taten sich dann vor allem die Kirchen hervor, die ihre Mitglieder vor Investitionen in sog. „sin stocks“, womit insbesondere die Branchen Alkohol, Tabak und Glücksspiel gemeint waren, warnten. Dies war auch der Ansatzpunkt für die Fondsindustrie, in der der Gedanke prinzipiengeleiteten Investments erstmals im Jahre 1928 mit der Auflage des Pioneer Fund in Boston Einzug hielt.
Das heutige Verständnis von ethischem Investment geht allerdings auf die 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zurück. Damals versuchten Tausende von Kleinaktionären durch Demonstrationen auf die Geschäftspolitik des Chemieriesen Dow Chemical Einfluss zu nehmen. Dieser produzierte Napalm für den Vietnam-Krieg. Viele Anleger verkauften ihre Dow Chemical Aktien, der Aktienkurs fiel und damit war eine neue politische Aktionsform geboren.
In den Jahren danach wuchs der Protest gegen die Apartheid in Südafrika und es wurde die Kampagne „Kein Geld für Apartheid“ gestartet. Der Schwerpunkt lag auf der Verhinderung von Finanzzuflüssen an das Apartheidregime. Die Südafrika-Boykott-Bewegung führte dazu, dass Kirchen, Universitäten und andere institutionelle Investoren Aktien von Unternehmen verkauften, die Geschäftsbeziehungen zu diesem Land unterhielten. Es wurde allerdings auch ein zweiter ganz anderer Weg eingeschlagen: es wurden gezielt Aktien von Unternehmen gekauft, die Beziehungen mit dem rassistischen südafrikanischen Regime unterhielten. Dadurch erhielt man Stimmrechte und konnte auf Hauptversammlungen Druck ausüben, nicht mit dem Apartheidregime zu kooperieren.
In Europa kann man Papst Paul VI als Erfinder des Ethischen Investments bezeichnen. Als Papst Paul VI nach dem 2. Vatikanischen Konzil die Vermögensstände des Vatikan neu ordnete, verfügte er, bereits Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, dass diese kirchlichen Gelder nicht in Wirtschaftszweigen veranlagt werden sollten, die Waffen, Alkohol, Tabak, Anti-Baby-Pillen und Anderes mehr produzierten.
In den 80er Jahren führten vor allem das wachsende Umweltbewusstsein, das insbesondere durch den berühmten Bericht des Club of Rome („Die Grenzen des Wachstums“) geweckt worden war, zur Entwicklung spezialisierter Finanzprodukte, die sich hauptsächlich auf Umwelttechnologiefirmen beschränkten. Später wurden vermehrt auch soziale und ethische Investitionskriterien eingeführt und besonders durch die Weltumweltkonferenz in Rio 1992 und dem Weltwirtschaftsgipfel für nachhaltige Entwicklung im September 2002 in Johannesburg wurde das Thema Nachhaltigkeit oder neudeutsch „Sustainability“ in die Diskussion eingeführt.
|