Aktives Investieren - wir reden mit

Das Verständnis der Bankhaus Schelhammer & Schattera AG hinsichtlich einer ethischen Geldanlage beschränkt sich nicht nur auf die Berücksichtigung ethischer, ökologischer und sozialer Aspekte bei der Auswahl der Investments, sondern beinhaltet auch die aktive Einflussnahme auf unternehmerische Entscheidungsprozesse. Im angelsächsischen Raum hat sich für dieses Vorgehen der Begriff "Engagement" durchgesetzt. Wir suchen aktiv den konstruktiven Dialog mit dem Management der Unternehmen außerhalb und innerhalb der Hauptversammlungen. Dabei werden Missstände und Verbesserungspotenziale aufgezeigt und konkrete Lösungsvorschläge diskutiert.

Wir haben uns mit zahlreichen privaten und institutionellen Investoren, die ihre Investmentstrategie ebenfalls nach den Kriterien des Frankfurt-Hohenheimer Leitfadens (FHL) - dem weltweit umfassendsten Katalog zur ethischen Bewertung von Unternehmen und Staaten - ausrichten, vernetzt und bündeln unsere Kräfte unter dem Dach von CRIC e.V. (Corporate Responsibility Interface Center). Als Zusammenschluss von ethisch orientierten Investoren verleiht uns CRIC im Dialog mit den Unternehmen entsprechendes Gewicht.

 

Engagementfälle

Engagement bei der Deutschen Post AG

Die Deutsche Post AG wurde mit Vorwürfen konfrontiert, wonach beim Tochterunternehmen DHL in Lateinamerika gewerkschaftliche Zusammenschlüsse verhindert und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benachteiligt werden, die sich gewerkschaftlich engagieren. Die Vorwürfe wurden von der Nachhaltigkeit-Ratingagentur oekom research AG aufgedeckt und öffentlich gemacht.

Das Bankhaus Schelhammer & Schattera AG und die Steyler Ethik Bank haben, über die CRIC-Plattform, daraus einen Engagement-Fall entwickelt und die Deutsche Post AG mit diesen Vorwürfen konfrontiert.

Nach schriftlichem Verkehr beider Bankhäuser mit der Deutschen Post AG und einigen Einzelgesprächen, wurde eine Telefonkonferenz anvisiert, um die noch offenen Fragen zu diskutieren.

Dass bei einem Unternehmen, das in 220 Ländern tätig ist und ca. 500.000 Menschen beschäftigt, nicht immer alles reibungslos läuft, dürfte niemanden überraschen. Entscheidend ist aber, ob es sich dabei um systematische Verstöße gegen internationale Standards handelt und wie das Unternehmen mit solchen Missständen umgeht - vor allem, wenn die Vorwürfe derart massiv sind: Verhinderung der Bildung von Gewerkschaften, Benachteiligung und Entlassung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit gewerkschaftlichem Naheverhältnis, Manipulation von Mitarbeiterbefragungen und manches mehr. Im Rahmen der Telefonkonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Post AG konnten diesbezüglich neue Erkenntnisse gewonnen werden.

Die Deutsche Post AG konnte die Vorwürfe entkräften und darlegen, dass es sich um Einzelfälle handelte und man sich um eine einvernehmliche Lösung der Sachverhalte bemüht hat. Die Deutsche Post AG registrierte aber auch, dass Investoren sensibel auf derartige Vorwürfe reagieren, stichhaltige Nachweise für die Behebung von Missständen verlangen und Maßnahmen erwarten, dass solche Missstände in der Zukunft möglichst nicht mehr auftreten.

 

Engagement bei der Adidas AG

Konkret geht es um die Diskriminierung und Entlassung von Gewerkschaftsmitgliedern in einer Zuliefererfabrik von adidas in El Salvador (Textiles Opico), die lizensierte Produkte für Ihr Unternehmen produziert.

Laut einem Report des Workers Right Consortium (WRC) verloren im Zuge von Entlassungen auffällig viele Gewerkschaftsmitglieder ihren Arbeitsplatz, nachdem es schon in der Vergangenheit Auseinandersetzungen mit der Unternehmensführung z.B. über die Bereitstellung von Sicherheitskleidung gegeben hatte. Des Weiteren wurden auch schon in den Jahren davor Entlassungen von Gewerkschaftsmitgliedern durch lokal ansässige Gewerkschaftsorganisation beobachtet.

Das Bankhaus Schelhammer leitete darauf einen Engagement Fall ein. Adidas antwortete daraufhin mit einem umfangreichen Schreiben:

  • Adidas weist daraufhin, dass das betreffende Unternehmen, Textiles Opico (TexOps), keine direkten Geschäftsbeziehungen mit Adidas unterhält, sondern nur mit dem Adidas Lizenznehmer Dick`s Sporting Goods (DSG).
  • Der im Oktober 2017 veröffentlichte Bericht der Fair Labor Association (FLA), bei der TexOps Mitglied ist, kam zu dem Ergebnis, dass unter Berücksichtigung der Leistungskriterien nach denen die Personaleinsparungen vorgenommen wurden, es zu keinen Diskriminierungen bestimmter Gruppen kam.
  • Auch das Workers Rights Consortium (WRC) steht mit den verschiedenen Parteien in Kontakt. TexOps räumt darin ein, die Gewerkschaft bez. der Entlassungen nicht ausreichend informiert zu haben, streitet aber ab, Gewerkschaftsmitglieder gezielt entlassen zu haben.
  • Gewerkschaft und TexOps einigten sich daraufhin auf eine Reihe von Wiedereinstellungen, Ausgleichs- und Entschädigungszahlungen.
  • Laut FLA Bericht führte die Beschwerde bei TexOps zur Aufnahme eines Dialoges zwischen Beschäftigten und Management, der von einem Vermittler moderiert und von allen Beteiligten respektiert wird.
  • Der WRC Bericht hält fest, dass DSG im eigenen Namen und im Namen von adidas die Angelegenheit aktiv mit allen Beteiligten diskutiert hat.
  • Adidas betont, dass 1997 zum Schutz der Arbeits- und Menschenrechte ein Verhaltenskodex für Zulieferer eingeführt wurde, der auch Bestandteil der Lieferverträge ist.
  • Ein Team von Fachleuten verfolgt durch Inspektionen die Einhaltung dieser Standards und berät aktiv bei Ihrer Umsetzung.

 

Das Bankhaus und der Ethikbeirat stehen den Maßnahmen prinzipiell positiv gegenüber. Es werden noch letzte Details geklärt.

Strategie für die Ausübung von Stimmrechten

gem. § 26 (1) i.V.m. § 132 (3) InvFG 2011 der Security Kapitalanlage AG 
Auszug aus Prospekt 06.2017

Die Verwaltungsgesellschaft übt die mit den Vermögensgegenständen der von ihr verwalteten Fonds verbundenen Aktionärs- und Gläubigerrechte unabhängig von den Interessen Dritter und ausschließlich im Interesse der Anleger des jeweiligen Fonds und der Integrität des Marktes aus.

Generell ist die Einflussmöglichkeit der Verwaltungsgesellschaft kraft Gesetzes gering, da nur insgesamt ein geringer Anteil am Stammkapital einer Aktie erworben werden kann.

Maßgeblich ist allein das Interesse der Anteilinhaber des jeweiligen Fonds, dem die Stimmrechte zuzuordnen sind. Dies kann zur Folge haben, dass die Verwaltungsgesellschaft für die von ihr aufgelegten Fonds unterschiedlich abstimmen.

Bei Hauptversammlungen und Stimmrechtsausübung entscheidet die Verwaltungsgesellschaft nach Erwägung des zu erwartenden Nutzens über die Ausübung des Stimmrechts. Erwächst aus wirtschaftlicher Sicht, beispielsweise angesichts eines geringen Anteils des jeweiligen Papiers am Fonds oder aufgrund unverhältnismäßigen Aufwands für die Stimmabgabe im Ausland, kein Vorteil für den Anteilinhaber, so kann die Verwaltungsgesellschaft von der Ausübung des Stimmrechts absehen.

Die Verwaltungsgesellschaft verpflichtet sich weiters jene Rechtsverfolgungshandlungen zu setzten, die unter Bedachtnahme auf den Streitwert, die Verfahrensdauer, die Verfahrenskosten und die Erfolgsaussichten bestmöglich geeignet erscheinen, vermögenswerte Ansprüche möglichst kostengünstig und rasch einbringlich zu machen. Die dadurch entstehenden Rechtsverfolgungskosten können dem Fondsvermögen angelastet werden.